Zur deutschen Seite.
(Deutsche und englische Artikel,
deutsche Oberfläche.)

Read the German page.
(German and English articles,
with German interface.)

Read the English page.
(Only English articles,
with English interface.)

Zur englischen Seite.
(Nur englische Artikel,
englische Oberfläche.)

Posts Tagged ‘Messias’

Himmelskörper im elektronischen Bildungsroman, Teil 3: Die Sonne als männliches Heldenideal

Saturday, June 12th, 2010

Vorsicht: Dieser Artikel enthält Spoiler zu Final Fantasy VII, Final Fantasy X und X-2! Die Fußnoten enthalten Spoiler zu Persona 2 Innocent Sin und Eternal Punishment!

(more…)

Himmelskörper im elektronischen Bildungsroman, Teil 2: Satelliten und ihre Potentiale

Friday, June 11th, 2010

Vorsicht: Dieser Artikel enthält Spoiler zu Final Fantasy VII und The Legend of Zelda: Majora’s Mask!

(more…)

Himmelskörper im elektronischen Bildungsroman, Teil 1: Unser Stern und seine Geschichte

Thursday, June 10th, 2010

Vorsicht: Dieser Artikel enthält Spoiler zu Chrono Trigger und Dragon Quest IV!

(more…)

Kyūyaku Megami Tensei

Saturday, February 9th, 2008

Kyūyaku Megami Tensei (auf deutsch: das alte Testament der Wiedergeburt der Göttin) ist ein Remake der beiden RPGs Megami Tensei: Digital Devil Story I und II. Original wurden diese für das Famicom (NES) 1987 und 1990 von Namco, das Remake hingegen für das Super Famicom (SNES) 1995 von Atlus veröffentlicht. Entwickelt wurde die Serie von Anfang an von Atlus, die sie 1992 unter dem Titel Shin Megami Tensei (die wahre Wiedergeburt der Göttin) neu startete und ab diesem Zeitpunkt auch selbst veröffentlichte. Unter diesem Titel sind mittlerweile auch zahlreiche Spiele im Westen erschienen, jedoch ist nur der dritte Teil, in Deutschland unter dem Titel Lucifer’s Call erschienen, in Japan offiziell Teil der Serie; die anderen im Westen veröffentlichten SMT-Spiele sind größtenteils Spin-Offs.

Die beiden Spiele MT I und II führten das Konzept des Verhandelns mit gegnerischen Dämonen ein. Sind diese von der Gesinnung Gut oder Neutral, kann man sie durch Bestechung und Beschwichtigung vielleicht dazu überreden, sich der eigenen Party anzuschließen. Die Party besteht dann auch aus zwei Menschen und bis zu vier Dämonen, wobei man noch einige weitere in Reserve halten kann. Dämonen steigen anders als Menschen keine Level auf und werden stattdessen an einem speziellen Ort (der Kathedrale der Finsternis) paarweise oder dreierweise zu stärkeren Dämonen fusioniert.

Desweiteren verwendete man die, in westlichen Computer-Rollenspielen damals übliche, in Japan aber kaum verbreitete, 3D-Ego-Perspektive.

Ich beschreibe nun die Handlung der beiden Spiele. Diese Beschreibungen enthalten Spoiler, u. a. auch für SMT. Allerdings sind diese Spiele sowieso nicht im Westen erschienen, weswegen auch der interessierte Megami Tensei-Fan einen Blick riskieren kann.

In Teil 1 spielt man grob die Geschichte der gleichnamigen Bücher von NISHITANI Aya nach. Der Schüler NAKAJIMA Akemi ist ein genialer Programmierer und schreibt eine Software, mit der man Dämonen in die menschliche Welt beschwören kann. Mit diesen rächt er sich an seinen Mitschülern, die ihn immer gequält haben. Als die Dämonen jedoch versuchen, die Welt zu erobern, schlägt er sich auf die gute Seite und bekämpft die Dämonen und ihren Anführer Luzifer.

An seiner Seite kämpft seine Mitschülerin SHIRAZAGI Yumiko. Sie und Akemi entpuppen sich als Wiedergeburten der Götter Izanami und Izanagi, was auch der Ursprung für den Titel ist. Yumiko ist sozusagen die Urmutter der japanischen Schöpfungsgeschichte.

Von der komplexen Handlung bleibt im Spiel, dessen Szenario auch von NISHITANI geschrieben ist, nicht viel übrig. Man durchquert zahlreiche Dungeons, um schließlich Luzifer zu besiegen.

Teil 2 spielt viele Jahre nach dem 3. Weltkrieg. Tōkyō ist von einer Atombombe dem Erdboden gleichgemacht worden. Der Held und sein Freund spielen in einem Bunker ein Videospiel namens Demon Busters, das sehr an das erste Megami Tensei Spiel erinnert, aber in 2D dargestellt wird. Auch hier streitet der Held an der Seite eines Mädchens zusammen mit Dämonen, die man durch Überzeugung der eigenen Party hinzugefügt hat.

Als die beiden das Spiel durchspielen, geschieht etwas Seltsames: die Dämonen aus dem Spiel tauchen plötzlich auch in der realen Welt auf, die in 3D-Egoperspektive dargestellt wird. Der Held und sein Freund verlassen den Bunker und kämpfen im verwüsteten Tōkyō gegen die Dämonen. Wie sich zeigt, ist der Held in göttlichem Auftrag unterwegs: als Messias soll er der Welt Erlösung bringen.

Am Tōkyō-Tower kommt es zum Bruch zwischen dem Helden und seinem Freund. Dort treffen sie das Mädchen aus dem Spiel wieder. Es überzeugt den Helden, sich ihm anzuschließen, woraufhin sein Freund die Party verlässt. Er wird ein böser Dämonen-Trainer und misst sich im Verlauf des Spiels wiederholt mit dem Helden.

Das Besondere des Spiels ist es, dass man sich mit dem vermeintlichen letzten Boss, Luzifer, verbünden kann. Er ist von der Gesinnung Gut, vertritt den Polytheismus und will zusammen mit dem Helden Y.H.V.H aufhalten. Nachdem man Satan besiegt hat, einen Vertreter Luzifers, der im Auftrag Gottes das Böse in der Welt repräsentieren soll, kann man mit Luzifer gemeinsam gegen Gott/Y.H.V.H antreten.

Es gibt dann auch zwei Endings: Hat man sich gegen ein Bündnis mit Luzifer entschieden und den göttlichen Auftrag erfüllt, erschafft man eine neue Weltordnung, in der nur die Starken überleben. Hat man hingegen zusammen mit Luzifer Y.H.V.H besiegt, verschwinden die Dämonen aus der Welt und die alte Weltordnung, von vor dem Krieg, wird wiederhergestellt.

Diese Möglichkeit, eine Entscheidung zu treffen, wird im Nachfolger Shin Megami Tensei weiter ausgebaut. Dieses hat ein komplexes Gesinnungssystem und gleich drei verschiedene Endings, je nachdem ob der Held am Ende rechtsschaffen, neutral oder chaotisch ist. Das oben beschriebene, erste Ending von Megami Tensei II kehrt in SMT als Law-Ending (rechtschaffener Held) zurück. Law wird wie in MT II durch die Messias-Kirche repräsentiert, die an amerikanische/westliche Kultur angelehnt ist. Ein Vertreter der Messias-Kirche ist z. B. der amerikanische Botschafter Thorman (eine Anspielung auf Präsident Truman), der sich als nordischer Gott Thor entpuppt und Tōkyō mit dem göttlichen Hammer, der Atombombe, dem Erdboden gleichmacht.

Die Entscheidung gegen Gott zu kämpfen, ist also eine Infragestellung westlicher Kultur, die in Japan Einzug gehalten hat und auch in Videospielen enorm vertreten ist. Auch in Dragon Quest beispielsweise spielt man einen göttlich gesegneten Helden. Das vermeintlich Richtige ist aber ein Bruch mit der japanischen Kultur.

Natürlich kann dies leicht ins andere Extrem umschlagen: die chaotische Gesinnung wird in SMT durch die Gaia-Kirche repräsentiert und durch einen japanischen General namens Gotō, der durch seine antagonistische Haltung den amerikanischen Atomschlag überhaupt erst ausgelöst hat. Er steht für japanischen Militarismus. Das optimale Ending in SMT ist daher auch das neutrale, das zwischen den beiden Polen abwägt und die Balance hält.