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Posts Tagged ‘Street Fighter’

Wii Virtual Console 2006-2012

Sunday, June 24th, 2012

With the lifecycle of the Wii coming to a close and Nintendo concentrating their Virtual Console releases more and more on the newer 3DS it’s a good opportunity to look at how well the classic game download service did on Wii in Japan. I used the Wii Shopping Channel and the Nintendo Channel to count games, publishers and genres, as well as play time statistics to calculate minimum download numbers.

These are only displayed for games which get a certain amount of usage by enough users, and only by users who allowed Nintendo to use their data for statistics in the Nintendo Channel. This means they only indicate a minimum number, real download numbers might be even higher. I found the games which display these play time statistics to have at least 3000 confirmed downloads, so the missing titles should have sold less than that.

Nine different vintage platforms have been supported on Wii so far with 636 titles released:

Systems

System Current # Alltime # Best supporter Games # Percentage
FC: 148 148 Nintendo 44 29,73%
SFC: 101 103 Nintendo 27 26,21%
N64: 20 20 Nintendo 19 95,00%
PC-Engine: 111 122 Hudson/Konami 55 45,08%
MD: 89 92 Sega 68 73,91%
NG: 64 64 D4 Entertainment 64 100,00%
SMS: 13 15 Sega 14 93,33%
VCA: 77 77 Bandai Namco 50 64,94%
MSX: 13 15 Konami 13 86,67%
636 656
Games removed: 20

Not surprisingly Nintendo and Sega are the top supporters of their respective old hardware platforms. The PC-Engine got a lot of love from Hudson back in the day, which also shows here (Konami now holds the rights to the Hudson catalogue, but also contributed some titles of their own). Some minor platforms with limited success are almost exclusively represented by one company, like the Master System by Sega or the N64 by Nintendo.

D4 Entertainment has the rights to all the old SNK software on VC and ends up being the sole supporter of the NeoGeo, which has an impressive number of releases but none sold all too well (i. e. below 3000). The MSX seems to be the favorite vintage platform for Konami, who contribute all remaining titles available. Two games by D4 Entertainment for MSX, ALESTE and EGGY, were removed again. All in all 20 games which were once available were removed again.

The Virtual Console Arcade, which was added last, is mainly supported by the companies who dominated this field in the pre-Famicom age. Notably missing are Konami and Nintendo, who as opposed to Capcom, Sega and Namco haven’t even released the arcade versions of their Famicom hits like Gradius or Donkey Kong. The latter three did this with games like Ghost ‘n’ Goblins, Puyo Puyo and Xevious. Similar to the NeoGeo, downloads for VCA have remained underwhelming. This means that despite having released 86 games (50 of which for VCA), almost as many games as Nintendo and more than Sega, Bandai Namco’s success on VC was quite limited.

Publishers

Publisher Games Percentage Publisher Games Percentage
Arc System Works: 16 2,52% D4 Entertainment: 65 10,22%
Artdink: 3 0,47% Tecmo: 11 1,73%
Activision: 1 0,16% Tozai: 1 0,16%
Atlus: 6 0,94% naxat soft: 9 1,42%
Interplay: 2 0,31% Natsume: 1 0,16%
Enterbrain: 4 0,63% Nihon Computer System: 5 0,79%
Capcom: 30 4,72% Nihon Falcom: 8 1,26%
Koei: 5 0,79% Nintendo: 90 14,15%
Konami: 43 6,76% Netfarm: 2 0,31%
Sunsoft: 10 1,57% Paon: 3 0,47%
G-Mode: 2 0,31% Hudson: 69 10,85%
Square-Enix: 21 3,30% Hamster: 18 2,83%
Spike: 3 0,47% Hal Laboratories: 1 0,16%
Sega: 86 13,52% Bandai Namco: 86 13,52%
Taito: 26 4,09% Pony Canyon: 2 0,31%
Takara Tomy: 2 0,31% Marvelous: 1 0,16%
Chunsoft: 3 0,47% UPI Soft: 1 0,16%
All: 636

Maybe the number of titles adds up in sales for Namco, as they probably do for D4.

(more…)

Last Ranker: Das „Street Fighter“-RPG

Thursday, July 8th, 2010

Mit Last Ranker veröffentlicht Capcom am 15.07.2010 nach längerer Abstinenz vom RPG-Genre einen neuen Vertreter dieser Gattung. Wie schon in Capcoms „Breath of Fire“-Serie übernimmt wieder YOSHIKAWA Tatsuya die Rolle des Figurengestalters. Nachdem diese mit ihrem vierten Teil Dragon’s Quarter für die Playstation2 ihren vorläufigen Ausgang genommen hatte, arbeitete YOSHIKAWA neben der „Mega Man“-Serie auch an Devil May Cry 4 (Playstation3) und Zack & Wiki: Quest for Barbaros’ Treasure (Wii) und kehrt jetzt mit Last Ranker zum RPG-Genre zurück. Allerdings konzentriert er sich diesmal tatsächlich auf die Figuren und überlässt die Gestaltung der Welt anderen, wie er auf der offiziellen „Last Ranker“-Homepage schreibt. Sich im kreativen Team behaupten vergleicht er mit dem Schlachtfeld, neue Aufgaben übernehmen und neue Dinge erschaffen sei immer ein schmerzhafter Prozess, aber er kämpfe für hohe Qualität seiner Schöpfung.

Kampf ist das Thema von Last Ranker und das spiegelt sich auch in den Stimmen der kreativen Köpfe des Spiels wieder. Es ist weniger der Ryu aus YOSHIKAWAs „Breath of Fire“-Serie, der Pate stand für „Last Ranker“-Protagonisten Zig, als Ryu aus Street Fighter, einer anderen, noch viel erfolgreicheren Serie von Capcom.1 Beide Namen bedeuten Drache, RPG-Held Ryu verwandelt sich in eine feuerspuckende Echse, Straßenkämpfer Ryu schleudert Feuerbälle und fliegt mit schmetterndem Kinnhaken wie ein Drache in die Lüfte. Da ist es nur passend, dass mit SHIMOMURA Yōko eine RPG-Komponistin den Soundtrack zu Last Ranker beisteuert, die mit Street Fighter II ihren Durchbruch als Spielekomponistin feierte.2 Footnote preview: Zu SHIMOMURAs wichtigsten RPG-Kompositionen zählen einerseits die RPG-Ableger der Mario-Serie, darunter die Gemeinschaftsproduktion von Square und Nintendo Super Mario RPG und die neueren „Mario & Luigi“-Spiele von Entwickler Alphadream, der aus ehemaligen Square-Mitarbeitern besteht, die auch schon an Super Mario RPG gearbeitet hatten, andererseits die „Kingdom Hearts“-Serie von NOMU... Auf der LR-Homepage schildert SHIMOMURA ihr Zusammentreffen mit NIINŌ Kazuya, dem Regisseur des Spiels, der ihr mit den strahlenden Augen eines begeisterten Jungen erklärte, dass Kampf wie ein Lied sei. Mitgerissen von NIINŌs lebhaften Erklärungen versetzte sie sich in die Figuren und in die Welt, in der sie leben, und komponierte dazu passende Stücke.

Kampf ist Feuer und Leidenschaft, das wird aus SHIMOMURAs Beschreibung von Regisseur NIINŌ deutlich. Für NIINO war Street Fighter II ein wichtiger Auslöser, Spieleentwickler zu werden. Comic-Helden, die im Kampf ihre Freundschaft vertiefen, die zu Rivalen ihrer ältesten Freunde werden oder auch zu ihren Feinden, sie ließen das Jungenherz von NIINŌ ebenso höher schlagen wie die Spielefirma Capcom, deren starke Straßenkämpferhelden diesen Geist einfingen. Diese Bewunderung für solche starke Helden, die Sehnsucht nach Stärke wollte er in Last Ranker als RPG umsetzen. NIINŌ ist bei japanischen Core-Gamern bereits ein respektierter Entwickler, auf Nintendo DS hat er mit Etrian’s Odyssey eine der wenigen erfolgreichen neuen Serien dieser Generation geschaffen und auch das in Zusammenarbeit mit imageepoch entstandene 7th Dragon wurde von Kunden wie Kritikern positiv aufgenommen. Mit Last Ranker bleibt er den tragbaren Spielekonsolen treu, doch ist sein PSP-Erstling grafisch aufwendiger als seine in klassischer 2D-Grafik gehaltenen bisherigen Werke und in Echtzeit gerendert. Ebenfalls von imageepoch entwickelt, haben diese hier ihre Erfahrung mit dem Wii-RPG Arc Rise Fantasia zum Einsatz bringen können.

Die tragbaren Konsolen DS und PSP sind in dieser Generation in Japan kommerziell erfolgreicher als ihre an Haus und TV gebundenen großen Brüder Wii und PS3 und auch Produzentin MATSUKAWA Minae arbeitet wie NIINŌ hauptsächlich im mobilen Spielesektor. Capcom sind eine der wenigen japanischen Spieleschmieden, die in dieser Generation auch außerhalb ihrer Heimat erfolgreich sowohl neue wie alte Franchises verkaufen konnten, allerdings hauptsächlich auf den stationären Konsolen. Die Dominanz der tragbaren Spielekonsolen in Japan kümmert Capcom kaum, mit einigen wenigen, aber extrem erfolgreichen Spielen deckt der Publisher diesen Markt zwar auch ab3 Zum Beispiel ist Capcom im tragbaren Bereich mit Monster Hunter extrem erfolgreich auf der PSP., konzentriert sich aber sonst mehr auf Titel mit Aussicht auf Erfolg auf dem Weltmarkt. MATSUKAWA produzierte einige dieser wenigen portablen Capcom-Titel, darunter die PSP-Umsetzung  eines Darkstalker-Spiels, einer Fantasy-Prügelserie im Geiste Street Fighters, und Ace Attorney Apollo Justice, der vierte Teil von Capcoms großer portablen Erfolgsserie für Gameboy Advance und mittlerweile DS. Auch MATSUKAWA bemüht zur Erklärung des langjährigen Prozesses der Entwicklung von Last Ranker die Kampf-Metapher und ist dankbar, dass sie sich mit NOJIMA, SHIMOMURA und YOSHIKAWA auf viele Veteranen an ihrer Seite verlassen kann.

NOJIMA Kazushige ist der Szenario-Autor von Last Ranker und war sich zuerst nicht sicher, ob er sich in einen Protagonisten wie Zig hineinversetzen könne. Was denkt wohl ein junger Mann, der in einer Welt, in der der Rang der eigenen Stärke den Wert eines Menschen bestimmt, nach oben strebt. Dann aber erklärte ihm NIINO, dass Zig vom Land in die große Stadt kommt. Das wurde für NOJIMA, der als Spieleautor ebenfalls vom im Norden Japans gelegenen Hokkaidō in die Großstadt Tōkyō gekommen war, zum Bezugspunkt, der ihm den Zugang zu seinem Protagonisten ermöglichte. Die nächste Herausforderung war es, die vielen individuellen Charaktere zu entwickeln, die Trubel in Zigs Leben bringen sollten.  Mit dem Ergebnis ist er sehr zufrieden und verspricht den Spielern eine tolle Geschichte.

Einen kleinen Vorgeschmack darauf bietet die Kurzgeschichte Tabidachi no ketsui (Der Entschluss zum Aufbruch), die des Japanischen Mächtige auf der offiziellen Seite lesen können. Das erste Kapitel beginnt mit den Worten:

Ich wusste, dass diese Welt nicht besonders groß ist. Aber trotzdem, dachte Zig, wie klein doch meine Welt ist.

Zigs Heimat Cantalera hat 143 Einwohner und Zig kennt jeden einzelnen persönlich mit Namen. Tradition ist wichtig in Cantalera und sein Freund Faz ist überzeugt, dass sich Cantalera nie ändern wird, solange Männer wie er und Zig es beschützen. Die Bewohner von Cantalera meiden die Konfrontation und ergreifen bei erster Gelegenheit die Flucht. Unter ihnen leben auch einige aus der großen Stadt Gandoa gekommene Separatisten, die herzlich aufgenommen werden, solange sie nur die Regeln Cantaleras achten und zum Beispiel nicht über die Vergangenheit sprechen. Einer davon ist Darlan, ein ehemaliger Ranker, der trotz langer Abstinenz vom Kämpfen immer noch weitaus stärker ist als die kampfunerprobten jungen Männer Cantaleras wie Zig und Faz.

Die Kurzgeschichte, die auch in Form eines Hörspiels auf der offiziellen Seite bis zum 30.07.2010 umsonst angehört werden kann, beschreibt die Ereignisse, die dazu führen, dass Zig und Faz in die von Kampf beherrschte Welt ausziehen, um Ranker zu werden, die danach streben, der Stärkste von Allen zu sein. Der Grundplot ist natürlich an Street Fighter II angelehnt, der in dessen Untertitel The World Warrior schön zusammengefasst wird. Ein Mann (oder eine Frau) steigt in ein Flugzeug, kämpft mit einem anderen Straßenkämpfer, um dann weiter zum nächsten, stärkeren Gegner zu fliegen. Prügelnd die Welt bereisen und mit immer stärkeren Gegnern kämpfen, im Kern ist die „Street Fighter“-Narrative nicht so verschieden vom Spielablauf der meisten Rollenspiele. Dass diese von kämpferischen Begegnungen geprägte Reise in der kleinen Welt eines Jungen beginnt, war auch schon NOJIMAs Ansatz in Sakura Note. In der Anleitung dieses Spiels schreibt er:

Ich glaube, dass Sakura Note mit seiner detaillierten Darstellung der Jugend, in der ein kleines Gebiet die komplette Welt darstellt, für die Zukunft der Spieleerzählung von großer Bedeutung ist. NOJIMA Kazushige

Sakura Note spielt tatsächlich fast komplett in der kleinen Stadt, in der der Junge und Held der Geschichte lebt. Eine äußerst kleine Welt und in gewisser Weise die Vorgeschichte von Last Ranker.

  1. Beide Namen bedeuten Drache, RPG-Held Ryu verwandelt sich in eine feuerspuckende Echse, Straßenkämpfer Ryu schleudert Feuerbälle und fliegt mit schmetterndem Kinnhaken wie ein Drache in die Lüfte. []
  2. Zu SHIMOMURAs wichtigsten RPG-Kompositionen zählen einerseits die RPG-Ableger der Mario-Serie, darunter die Gemeinschaftsproduktion von Square und Nintendo Super Mario RPG und die neueren „Mario & Luigi“-Spiele von Entwickler Alphadream, der aus ehemaligen Square-Mitarbeitern besteht, die auch schon an Super Mario RPG gearbeitet hatten, andererseits die „Kingdom Hearts“-Serie von NOMURA Tetsuya, die Disney- und Square-Figuren zusammenführt. []
  3. Zum Beispiel ist Capcom im tragbaren Bereich mit Monster Hunter extrem erfolgreich auf der PSP. []

Tatsunoko vs. Capcom: Cross Generation of Heroes

Thursday, February 26th, 2009

Tatsunoko vs. Capcom ist das neuste Spiel aus einer Reihe von von entwickelten en mit Superhelden. Das erste Spiel dieser Art war das im Dezember 1994 veröffentlichte X-Men: Children of the Atom, in dem die gleichnamigen Helden aus den Comics von in einem „-artigen Spiel ihre Kräfte maßen. Darauf folgte im Oktober 1995 Marvel Super Heroes, in dem die Kämpferriege durch weitere Figuren aus dem Marvel-Universum ergänzt wurde. Sprachen diese Spiele einerseits die Fans der Comics an, gefielen sie aufgrund der Ähnlichkeit zum Vorbild Street Fighter auch den Fans dieser Spieleserie, weshalb ein Aufeinandertreffen der Comic-Helden mit den Straßenkämpfern in Form des im September 1996 erschienenen X-Men vs. Street Fighter mehr als Sinn machte. Darauf folgten schließlich noch Marvel Super Heroes vs. Street Fighter (Juni 1997), Marvel vs. Capcom: Clash of Super Heroes (Januar 1998) und Marvel vs. Capcom 2: New Age of Heroes (2000), wobei die Kämpferriege mit jedem neuen Teil durch mehr Figuren aus dem Marvel- und dem Capcom-Universum ergänzt wurde.

Danach wurde es erstmal still um diese Serie, Capcom hatte offenbar nicht vor, die Lizenz für die Marvel-Figuren zu verlängern. Erst acht Jahre später wurde mit TvC eine Fortsetzung angekündigt. Das japanische Animationshaus Tatsunoko war auf Capcom mit der Idee zugegangen, ein Crossover mit den Helden der von ihnen produzierten Zeichentrickfilmserien zu entwickeln. Diese waren besonders in den 70-er Jahren sehr populär und ersetzen die amerikanischen Marvel-Helden, die Spielmechanik wurde aber weitgehend beibehalten. Die Grafik ist jetzt in polygonaler Echtzeit--Grafik, spielt sich aber wie die Vorgänger in einer -Ebene und versucht, die Ästhetik der Sprite-basierten Vorgänger zu bewahren. Neben der -Version erschien am 11.12.2008 zeitgleich auch eine -Umsetzung. Die zeitgleiche Veröffentlichung ist für sich schon etwas ungewöhnlich, die Wahl der Plattform allerdings erst recht. Normalerweise tut sich Wii weniger durch Arcade-Prügelspiele hervor, schon gar nicht exklusive, doch die Ähnlichkeit der Architektur des verwendeten Arcade-Board vereinfachte die Umsetzung.

Wie bereits erwähnt basieren Capcoms Superhelden-Prügler auf dem hauseigenen Street Fighter, von diesem unterscheiden sie sich aber durch die starke Betonung des Luftkampfes. Jede Figur hat einen Doppelsprung, d. h. sie kann in der Luft mindestens ein zweites Mal springen. Auch Dashs können sowohl am Boden wie in der Luft ausgeführt werden, ebenso viele Spezialattacken, was in Street Fighter viel weniger stark ausgeprägt ist. Durch schnelles Drücken von können die Figuren außerdem einen besonders hohen Sprung ausführen, was bedeutet, dass der Hintergrund fast genauso weit nach oben wie zur Seite scrollt. Diesen Sprung kann man auch nach sogenannten Launchern durch bloßes Drücken nach oben ausführen. Man schleudert den Gegner damit hoch in die Luft, folgt ihm und kann eine Luft-Combo, in späteren Teilen Aerial Rave genannt, ausführen. Diese Luftkampf-Mechaniken findet man auch in -Serie, die das Konzept der Superhelden-Prügler konsequent weiterentwickelte.

Ein weiterer Unterschied zu den SF-Spielen vor X-Men sind die sogenannten Chain Combos. Eine Combo im SF-Sinn ist eine Angriffsserie, bei der, wenn der erste Angriff trifft, alle nachfolgenden Treffer garantiert sind, d. h. der jeweils nächste Angriff trifft, bevor der Gegner sich erholt hat und wieder blocken kann. Combos in SFII erfordern exaktes Timing: Drückt man den Knopf, bevor der vorhergehende Angriff abgeschlossen ist, kann noch kein weiterer ausgeführt werden und es passiert gar nichts. Drückt man zu spät, gibt man dem Gegner die Chance, sich zu erholen und den nächsten Angriff zu verteidigen. Das unterscheidet die meisten 2D-Prügelspiele von den 3D-Vertretern, in denen das Timing der Angriffsserien größtenteils nicht so streng ist und Combos daher leichter einzugeben sind. Chain Combos vereinfachen das Timing ebenfalls: sie erlauben es, die Rückführung (die Animation, die dem Treffer folgt und die Spielfigur wieder in die Ausgangsstellung zurückführt) abzubrechen (zu canceln).

Auch in SFII konnte man bereits normale Angriffe mit Spezialattacken canceln, was aber parallele Eingabe des Kommandos (z. B. ↓↘→) und der Angriffe erfordert und ebenfalls einiges Geschick abverlangte. In den Superhelden-Prüglern kann man auch normale Angriffe ineinander canceln, meist schwächere in stärkere. Generell kann man sagen, dass die Eingaben der Techniken in den Superhelden-Spielen etwas vereinfacht sind, auch die Hypercombos, stärkere Varianten der Standard-Spezialattacken, werden wie die entsprechenden Supercombos in SF statt mit zweimal demselben Kommando in Folge (z. B. ↓↘→↓↘→) plus Angriffsknopf mit dem einfachen Kommando und Drücken mehrerer Angriffsknöpfe gleichzeitig ausgelöst. Die einfachere Eingabe wird aber ausgeglichen durch die vielschichtigen Systeme und Techniken, die sehr komplexe Combos erlauben. Alles andere als anspruchlos also.

Das SF-typische 6-Knopf-System (jeweils drei Faustschläge und Tritte in nach Stärke und Geschwindigkeit unterschiedenen Variationen) ist in späteren Teilen der Superhelden-Serie vereinfacht: In MvC2 sind es nur noch 4 Knöpfe, die schwachen und mittleren Angriffe wurden zusammengefasst, in TvC nur noch 3, Schläge und Tritte wurden zusammengefasst und die Knöpfe unterscheiden grundsätzlich nur noch die Stärke des Angriffs. Dafür kommen die Partner-Knöpfe hinzu, 2 in MvC und einer in TvC, d. h. der neuste Teil kommt mit 4 Knöpfen aus. Der Partner-Knopf dient für alle Manöver, bei denen der Partner beteiligt ist. Alle Superhelden-Spiele mit vs. im Titel sind nämlich Tag-Team-Prügler, d. h. man wählt mehr als eine Figur und kann sie während des Kampfes auswechseln. Ausgewechselte Figuren regenerieren außerdem nach und nach ihre Energie.

Neben den alten Mechaniken aus den Vorgängern (die ich nicht alle aufgezählt habe) gibt es auch ein paar wichtige Neuerungen. Zum einen gibt es die sogenannten Baroque Combos. Durch Drücken des Partner-Knopfes plus einem Angriffsknopf während eines Angriffs stärkt man sich auf Kosten der roten Lebensenergie. Wird man verletzt, verliert man seine Energie nämlich nicht sofort, sie wird zunächst von gelb in rot eingefärbt und kann durch Auswechseln wieder regeneriert werden. Mit Baroque Combos opfert man diese rote Energie, sie kann nicht mehr regeneriert werden, aber die folgenden Treffer der Combo nehmen je nach Menge der geopferten roten Energie mehr oder weniger an Stärke zu und können verheerenden Schaden anrichten. Eine weitere Neuerung ist der Mega Crash. Er kostet zwei Hypercombo-Balken, die durch Angriffe (ausgeteilte und eingesteckte) aufgefüllt werden und von denen man bis zu 5 sammeln kann, und etwas Lebensenergie. Er kann jederzeit ausgeführt werden, selbst während man einer Combo ausgesetzt ist, womit man allzu langen und gefährlichen Combos entfliehen kann.

Von jeder Seite, Tatsunoko und Capcom, nehmen jeweils 11 Figuren (9 in der Spielhalle) an den Kämpfen teil. Jeweils zwei müssen erst freigespielt werden. Auf Capcom-Seite gibt es Ryu aus SF (August 1987), Chun Li aus SFII (März 1991), Alex aus SFIII (Februar 1997) (den Techniken nach entsprechen sie alle eher dem dritten Teil, aber da aus jedem Spiel nur jeweils ein Charakter entlehnt werden soll, sind sie den Teilen zugeordnet, in denen sie zuerst auftauchten), Morrigan aus Darkstalkers (Juli 1994), Batsu aus Rival Schools (November 1997), Sōki aus Onimusha: Dawn of Dreams (Januar 2006), Rock Volnutt aus Mega Man Legends (Dezember 1997), Roll aus Mega Man (Dezember 1987), PTX-40A aus Lost Planet: Extreme Condition (Februar 2008), Saki aus Quiz Nanairo Dreams (August 1996) und Viewtiful Joe aus dem gleichnamigen Spiel von 2003. Der letzte Endgegner (nicht spielbar) stammt auch aus einem Capcom-Spiel, Ōkami (April 2006).

Die Tatsunoko-Seite besteht aus Ken the Eagle und Jun the Swan aus Science Ninja Team Gatchaman (1972), Casshern aus Neo-Human Casshern (1973), Tekkaman aus Tekkaman: The Space Knight (1975), Yatterman-1 und seine Gegenspielerin Doronjo aus Yatterman (1977), Polymar aus Hurricane Polymar (1974), Karas aus der gleichnamigen Video-Veröffentlichung von 2005, Gold Lightan aus Golden Warrior Gold Lightan (1981), Hakushon Daimaō aus The Genie Family (1969) und Ippatsuman aus Gyakuten! Ippatsuman (1982). Tatsunoko, deren Namen übrigens Seepferdchen (wörtlich Drachenkind) bedeutet, steuerten nicht nur die Helden, sondern auch den Anime-Vorspann und die wirklich witzigen Anime-Endings der Figuren bei.

In der Wii-Fassung gibt es neben dem Arcade-Modus auch die üblichen Versus-, Training-, Survival- und Time Attack-Modi, auch Optionen, eine Galerie, einen Shop für freischaltbare Figuren, Musikstücke, Illustrationen, Hintergrundinfos, Minispiele, alternative Charakterfarben, usw. Die Minispiele kann man unter Original Game anwählen und nur mit der Fernbedienung und mit bis zu vier Spielern spielen. Nur einige wenige nutzen die Bewegungssteuerung oder die Pointer-Funktion. Sie sind wenig spektakulär, aber eine Möglichkeit, schnell Zeni (die traditionelle Capcom-Währung) für den Shop zu verdienen. Sämtliche Controller-Varianten werden unterstützt, mit der FB alleine gibt es auch einen Easy-Input-Modus, bei dem nur zwei Knöpfe gebraucht werden.

Eine Veröffentlichung von TvC außerhalb Japans ist trotz der Popularität der Superhelden-Serie äußerst unwahrscheinlich, da die Vertriebssrechte der einzelnen Tatsunoko-Serien im Westen bei vielen verschiedenen Firmen liegen, die alle einer Veröffentlichung zustimmen und finanziell beteiligt werden müssten. Capcom USA bemüht sich aber anscheinend darum und hat auch eine echte MvC-Fortsetzung mit der TvC-Engine in Aussicht gestellt. Wer auf seiner Wii-Konsole Japan-Importe spielen kann, sollte zugreifen. Es ist auch ohne Sprachkenntnisse gut spielbar und für jeden Fan komplexer 2D-Prügelspiele ein Muss.

Bis zum 20. Mai 2009 gibt es das Spiel übrigens hier zu gewinnen!

Link: Offizielle Homepage des Spiels (japanisch).